Focusing wurde von Eugene T. Gendlin, einem amerikanischen Psychotherapeuten, entwickelt. Es ist eine Technik der Selbsthilfe bei der Lösung persönlicher Probleme.
Focusing ist von jedem Menschen erlernbar.

Einleitende Gendlin-Zitate

"Kein Fachmann kann unsere Probleme lösen oder uns vorschreiben, wie wir leben sollen. Deshalb habe ich mich - und auch andere Kollegen - immer mehr damit begnügt, den Leuten beizubringen, wie sie sich selbst und anderen helfen können."

"Wenn Sie Focusing lernen, werden Sie entdecken, dass Ihr Körper seinen eigenen Weg und seine eigene Antwort auf viele Probleme findet. Ein Therapeut wird beim Focusing nicht benötigt. Sie können es allein oder mit einem Freund, der die Technik kennt, durchführen."

"Eine andere wichtige Entdeckung ist die, dass der eigentliche Veränderungsprozeß als angenehm erlebt wird. Eine wirksame Verarbeitung der eigenen Probleme ist keine Selbstquälerei."

Grundlagen des Focusing

Ausgangspunkt ist, dass die eigentliche Arbeit nicht der Therapeut leistet, sondern der Klient/Patient. Wenn Menschen, unabhängig vom Therapeuten, über ein Problem sprechen, vergewissern sie sich immer wieder, in neuer Betrachtung, Hinwendung, ihrer körperlichen Empfindungen (z.B. „immer wenn ich an meine Arbeit denke, bekomme ich Bauchschmerzen“ oder „ ...wenn ich mit meiner Mutter telefoniert habe, bekomme ich Kopfschmerzen...“). Dieses Rückkoppeln auf die körperlichen Empfindungen kann der Schlüssel zum Erfolg sein und bildet die Grundlage des Focusing. Das ergibt eine neue Rollenverteilung: der Klient/Patient besitzt bei der Lösung seiner Probleme die alleinige Autorität, das alleinige Wissen und die alleinige Kompetenz. Er ist sein eigener Therapeut. Aus dem Klienten wird der Focuser, der den Prozess autonom beginnt, steuert und beendet. Der Therapeut wird zum Begleiter. Ein Abhängigkeitsverhältnis entsteht nicht. Die Begleitung im Focusing-Prozeß muss lediglich darauf bedacht sein, "nicht im Weg zu stehen". Jede Form von Störung durch ungebetene Kritik, Interpretation oder gar Intervention ist ausgeschlossen. Analysen und Ratschläge gehören ebenso nicht zum Focusing.

Erlernen und Einüben

Nach dem Erlernen kommt die Zeit der Einübung, die der Neueinsteiger allein für sich vornehmen kann, die aber idealerweise im partnerschaftlichen Focusing geschieht. Selbsthilfegruppen bilden hierfür einen passenden und geschützten Rahmen. Eine andere Möglichkeit des Erlernens ist der Besuch professionell geleiteter Kurse.

Ausgehend von der ursprünglichen Idee der uneigennützigen Selbsthilfe kann Focusing überall da Anwendung finden, wo Menschen zusammenkommen, um ihre Probleme ohne Manipulationsabsicht gemeinsam zu lösen. Darüber hinaus weist Focusing neue Wege in der Behandlung psychosomatischer Beschwerden.

Weitere Ansätze zur Anwendung von Focusing gibt es im öffentlichen bzw. kommerziellen Bereich, wie beispielsweise in der Sozialarbeit, bei der Lehrerfortbildung und in der Mitarbeiterschulung.